{"id":16,"date":"2008-07-28T17:22:19","date_gmt":"2008-07-28T15:22:19","guid":{"rendered":"http:\/\/zwei-wochen.stangl.eu\/?p=16"},"modified":"2018-06-09T09:38:17","modified_gmt":"2018-06-09T09:38:17","slug":"xv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zwei-wochen.stangl.eu\/?p=16","title":{"rendered":"XV Augen.Blicke"},"content":{"rendered":"<p>Sie hasste es, l&#228;ngere Zeit mit offenem Blick betrachtet zu werden. \u201eWas starrst du mich so an! Es ist unangenehm!\u201c Er war ins Wohnzimmer gekommen, in dem sie auf dem Zweisitzer lag und an einem Manuskript arbeitete. Da sie offensichtlich mitten in einem Satz war, blieb er einfach hinter ihr stehen und wartete, bis sie ihn registrierte. Sie wandte sich l&#228;ngere Zeit nicht um, wie sie das sonst tat, wenn er den Raum betreten hatte, sondern setzte nur zwei-dreimal kurz ab, um weiter zu schreiben.<br \/>\nEr trat tiefer in den Raum, dass sie ihn sehen konnte. Hatte sie ihn bisher noch gar nicht bemerkt. \u201eEs ist unertr&#228;glich, so angestarrt zu werden!\u201c Die Erkl&#228;rung, dass er sie nicht unterbrechen wollte, fiel bei ihr wie fast alle Erkl&#228;rungen in diesen zwei Wochen auf unfruchtbaren Boden, die sie mit dem Sturm ihres Zorns einfach hinwegfegte.<br \/>\nWorauf war sie zornig? Auf ihn, da er sie wegen des Betruges nicht zur Rede stellte? Weil er schwieg und wartete, dass sie sich erkl&#228;rt?<br \/>\nSeit wann hasste sie, dass er sie ansah? Dieses Feature war nicht ganz neu. Schon fr&#252;h in ihrer Beziehung liebte sie es nicht, wenn er die Brille abnahm, denn dann wirkten seine Augen gr&#246;&#223;er. Augen, die damals wohl liebevoller blickten, j&#252;nger waren und voll Sehnsucht.<br \/>\nEin halbes Jahr danach wird er sich an diese fr&#252;he Zur&#252;ckweisung und Verletzung erinnern, wenn ihm eine der Frauen, die er in der Zeit nach ihr lieben wird, sagen wird, wie sehr sie sich von seinem Blick angezogen f&#252;hle. Ich kann in deinen Augen versinken, wird sie sagen und ihn n&#228;her zu sich ziehen, lass mich darin ertrinken. Und sie wird ihm sagen, dass sie noch nie Augen so z&#228;rtlich angesehen h&#228;tten wie seine.<br \/>\nErst nach Jahren wird er eine Erkl&#228;rung f&#252;r ihr Verhalten finden: es war ihre Angst vor N&#228;he, vor dem erkannt werden, vor dem in Besitz genommen werden. Wer hatte sich ihr in ihrer Kindheit so sehr gen&#228;hert, dass sie sp&#228;ter davor zur&#252;ckschreckte? Vor einem Menschen, von dem sie wissen musste, dass er sie liebte? War es damals auch ein Mensch gewesen, der sie geliebt hatte und diese N&#228;he dann missbraucht hatte?<br \/>\nWenn sie miteinander schliefen, liebte sie stets das Dunkel. Er h&#228;tte gerne die Sch&#246;nheit ihres K&#246;rpers nicht nur gef&#252;hlt sondern auch gesehen, wenn er sie liebte. Er hatte es mit durch T&#252;cher abgedunkelten Lampen im Hintergrund versucht, aber er verzichtete allm&#228;hlich darauf, denn sie schien dann beim Akt abwesend zu sein, selbst wenn sie dabei immer die Augen geschlossen hielt. Das Halbdunkel, in dem erst allm&#228;hlich die Gegenst&#228;nde zu erkennen waren, blieb das &#196;u&#223;erste an Sichtbarkeit bei ihrem Beisammensein.<br \/>\nEr hatte fr&#252;her in diesem Halbdunkel ihr Gesicht betrachtet, w&#228;hrend sie ihren H&#246;hepunkt hatte. Da er beinahe immer die Kontrolle &#252;ber den Beischlaf hatte &#8211; so wie sie es in ihrer selbst definierten passiven Frauenrolle wohl w&#252;nschte &#8211; und er immer nach ihr ejakulierte &#8211; die gemeinsamen H&#246;hepunkte hatte es nur ganz fr&#252;h in ihrer Beziehung gegeben -, konnte er ihrem Mienenspiel folgen, was ihm erm&#246;glichte, jenen Rhythmus aufzunehmen, der sie am meisten erregte. Sie war au&#223;erdem im Stande, nach dem ersten Orgasmus einen zweiten, seltener einen dritten, dadurch zu erleben, dass er mit seinem schon halb erschlafften Glied festen Druck auf ihren Kitzler aus&#252;bte. Dabei kam sie meist sehr rasch und er sp&#252;rte das Zucken in ihrer Vagina, beinahe heftiger als bei ihrer ersten Klimax.<br \/>\nEr hatte nie jene Erz&#228;hlungen verstanden, wie manche Frauen einen Orgasmus vorspiegeln konnten und der Mann von dieser T&#228;uschung nichts bemerkt. Wie kann man einen weiblichen Orgasmus nicht f&#252;hlen?<br \/>\nEinige Male hatte sie damals, als sie ihren Sohn zeugen wollten und es auf Grund der Unregelm&#228;&#223;igkeiten ihrer Periode nur sehr schwer war, den richtigen Zeitpunkt zu finden, bei den allt&#228;glichen Pflicht&#252;bungen auch das eine oder andere Mal einen Orgasmus vorget&#228;uscht, aber es diente einem guten Zweck, wie er sich sagte, und verstand diese Hilfe, die sie ihm damit geben wollte. Auch daf&#252;r liebte er sie.<br \/>\nDurch die Beobachtungen ihres Gesichtes w&#228;hrend des Aktes und durch die Heftigkeit ihrer Orgasmen war er auch &#252;berzeugt, ein guter Beischl&#228;fer zu sein. Etwas, das er sich vorwiegend aus B&#252;chern und Pornofilmen angeeignet hatte. Seine erste &#8211; vor ihr einzige &#8211; k&#246;rperliche sexuelle Beziehung war trotz der zwei Jahre, die diese gedauert hatte, daf&#252;r wenig relevant, da er mit dieser Frau nur unter sehr erschwerten Bedingungen beisammen sein konnte &#8211; am h&#228;ufigsten in einer Mulde am Rande des Lainzer Tiergartens. Die Akte in einem Bett damals konnte man an einer Hand abz&#228;hlen.<br \/>\nDas erste Mal &#8211; sein erstes Mal, denn auch seine erste Geliebte war l&#228;ngst nicht mehr unber&#252;hrt &#8211; geschah nach dem Wiener Universit&#228;tsball, den sie um Mitternacht verlie&#223;en, um mit einem Taxi in seine Wohnung zu fahren. Das Haus betraten sie im Abstand von einigen Minuten, damit seine Eltern, die ihre Wohnung in diesem Haus hatten, nichts bemerkten. Es war ein geplanter Akt, er hatte auf der Bahnhofstoilette ein P&#228;ckchen Kondome besorgt, das Klappbett, auf dem er schlief, hatte er vorsorglich frisch &#252;berzogen. Er trat nach dem Vorspiel \u2013 sie war darin sehr z&#228;rtlich &#8211; hinter den Vorhang, der einen Teil seiner Wohnung abtrennte und schob das Kondom &#252;ber seinen erigierten Schwanz. Sie f&#252;hrte sein Glied in ihre Scheide ein.<br \/>\nNein, sie hatte das nie getan. Sie hatte ihren Schwanz nie in ihre Scheide eingef&#252;hrt. Er hatte immer die Kontrolle und er allein war es, der sein Glied in ihre Scheide schob. Manchmal war ihre Scheide trotz langem Vorspiel trocken, sodass es beinahe zum Ritual geworden war, dass er sie so lange leckte, bis sie feucht war, dass er ohne ihr Schmerzen zu bereiten, eindringen konnte.<br \/>\nMochte sie sein Glied nicht ber&#252;hren?<br \/>\nEinmal hatte sie erz&#228;hlt, dass sie Schw&#228;nze h&#228;sslich f&#228;nde. Hing es damit zusammen? Sein Glied war nicht h&#228;sslich, das wusste er aus fr&#252;hen Vergleichen aus der Pubert&#228;t und von pornographischen Bildern, es war lange, gerade und besa&#223; eine wohlgeformte Eichel. Er beherrschte die F&#228;higkeit, seinen Schwanz bewusst in ihrer Vagina allein durch Muskelkontraktion zu bewegen. Diese F&#228;higkeit war fr&#252;her wegen der h&#228;ufigen Trockenheit ihrer Vagina hilfreich. Seine erste Sexualpartnerin hatte die vergleichbare F&#228;higkeit besessen, ihn durch Muskelanspannung und -entspannung ihrer Vagina bis zum Orgasmus zu bringen. Wie ihm ein Studienkollege einmal versicherte, die beinahe sch&#246;nste Art f&#252;r einen Mann, in v&#246;lliger Passivit&#228;t zum H&#246;hepunkt zu kommen. Sein Kollege war damals mit einer Ballettt&#228;nzerin zusammen. Turnerinnen sollten darin noch besser sein. Einmal kannte er eine Turnerin und dachte auch daran mit ihr zu schlafen, doch es war ihnen keine Zeit gegeben.<br \/>\nMochte sie es nicht sein, die den abschlie&#223;enden Akt ihres Liebespiels einleitet?<br \/>\nHatte das mit der ihr sich selber zugeschriebenen Passivit&#228;tsrolle in einer Liebesbeziehung zu tun?<br \/>\nKonnte sie zwar lieben und fordern, nehmen musste der andere?<br \/>\nSeit sie ihm gesagt hatte, dass sie schon lange keine k&#246;rperlichen und sexuellen Bed&#252;rfnisse mehr versp&#252;re, war bei den schon seltenen Kopulationen eine beinahe paradoxe Ver&#228;nderung aufgetreten: Sie war schon durch geringe &#228;u&#223;ere Stimluation durch sein Glied, indem er es au&#223;en an den Schamlippen mit seiner Hand entlang f&#252;hrte, leichten Druck damit aus&#252;bte und danach seinen Daumen in ihre Vagina steckte, um sie zu &#246;ffnen, so feucht, dass er ohne ihr Schmerzen zu bereiten, auch mit einem voll erigierten Glied, bei dem die Eichel freilag und der Durchmesser dementsprechend gro&#223; war, eindringen konnte.<br \/>\nFr&#252;her hatte dieser erst nach langer Zeit des Vorspiels erreichte Zustand h&#228;ufig dazu gef&#252;hrt, dass, wenn er kaum Widerstand und Reibung versp&#252;rte, bei entsprechend langem Zuwarten sein Glied die Erektion wieder verlor. Jetzt im Status ihrer v&#246;lligen Libidolosigkeit &#8211; dieser Begriff war ihm erst in den zwei Wochen klar geworden &#8211; war die Feuchtigkeit gerade richtig, um innerhalb einiger Minuten zum Orgasmus zu kommen. Anfangs hatte er auch dann noch gehofft, dass sich in ihr etwas regen k&#246;nnte, doch mit der Zeit lernte er, sich nur noch auf sich selber zu konzentrieren und mit gezielten Bewegungen zum H&#246;hepunkt zu kommen. Diesen erlebte er allerdings in den letzten Jahren nicht mehr so intensiv, denn wenn sie es ihm mit der Hand besorgte, was ihr immer besser gelang und nach ihren eigenen Worten einfach nur mehr eine eheliche Pflicht&#252;bung &#8211; von Pflichterf&#252;llung konnte man in diesem Fall wohl kaum sprechen &#8211; war, konnte er die passive Rolle einnehmen, die er wohl seit Beginn ihrer Beziehung h&#228;ufiger gew&#252;nscht h&#228;tte.<br \/>\nSie hatte ihn auch nur selten geritten.<br \/>\nDrei bis f&#252;nf Mal in dreiunddrei&#223;ig Jahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie hasste es, l&#228;ngere Zeit mit offenem Blick betrachtet zu werden. \u201eWas starrst du mich so an! Es ist unangenehm!\u201c Er war ins Wohnzimmer gekommen, in dem sie auf dem Zweisitzer lag und an einem Manuskript arbeitete. 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