{"id":11,"date":"2008-07-28T17:20:14","date_gmt":"2008-07-28T15:20:14","guid":{"rendered":"http:\/\/zwei-wochen.stangl.eu\/?p=11"},"modified":"2018-06-09T09:38:49","modified_gmt":"2018-06-09T09:38:49","slug":"xx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zwei-wochen.stangl.eu\/?p=11","title":{"rendered":"XX"},"content":{"rendered":"<p>In diesen zwei Wochen wird er sich fragen, warum er sie nie betrogen hat. Gab es keine Gelegenheit? Das, was sie ihm manchmal als Rigidit&#228;t vorgeworfen hatte, war in wohlwollender Weise als Treue zu interpretieren. In Krisenzeiten \u2013 und die gab es fr&#252;h, lange vor ihrer Hochzeit und auch danach \u2013 begann er manchmal zu tr&#228;umen. Bevor er an ihrer Seite einschlief, versuchte er sich dann vorzustellen, wie es w&#228;re, wenn er seine erste Liebe oder seine erste Partnerin wiedertr&#228;fe. Er stellte sich ein sch&#252;chternes Abtasten vor \u2013 auf einer Parkbank, in einem Cafe &#8211; , ein langes Erz&#228;hlen der eigenen Schicksale \u201eseither\u201c und einer sich daran anschlie&#223;enden Liebesnacht, die voller Z&#228;rtlichkeit aber ohne vollzogenen Geschlechtsakt blieb. Denn er war treu.<br \/>\nTreu bis zur Selbstaufgabe.<br \/>\nSogar in seinen Tr&#228;umen.<br \/>\nSp&#228;ter, als sie in Strasbourg war, lernte er in der Stra&#223;enbahn eine neu eingestellte Universit&#228;tsbedienstete kennen \u2013 sie h&#228;tte seine Tochter sein k&#246;nnen. Sie hatte sich einige Male in der Stra&#223;enbahn gesehen, auf dem selben Weg zur Stra&#223;enbahn einander &#252;berholt. Eines Tages l&#228;chelte man mit einem Gesicht des Erkennens. Er hatte sie nie angesprochen, obwohl er es gerne getan h&#228;tte.<br \/>\nSoviel gestand er sich zu.<br \/>\nSie war &#8211; wie er sp&#228;ter erfuhr &#8211; die Nachfolgerin einer in Pension gegangenen Bediensteten, mit der er als EDV-Beauftragter der Abteilung h&#228;ufig Kontakt gehabt hatte. Er war erstaunt, die \u201esch&#246;ne Unbekannte\u201c \u2013 sie hatte h&#252;ftlanges rotblondes Haar, das beim Fahrradfahren wie eine Flamme hinter ihr leuchtete \u2013 statt der Kollegin zu anzutreffen. Sie lachten und fanden es einen sch&#246;nen Zufall. Das \u201esch&#246;n\u201c dachte er hinzu. Sie konnten gut miteinander reden, denn sie war offen und f&#252;hlte wohl, dass man sich einem Psychologen anvertrauen konnte. Sie hatte eine Trennung eben hinter sich gebracht und lebte mit ihrem Sohn allein, wobei dieser zum Zeitpunkt ihres Kennenlernens gro&#223;e Lernprobleme hatte. Dar&#252;ber haben sie dann dem Weg zur Universit&#228;t einige Male gesprochen. Sein berufliches Spezialgebiet war Lern- und Unterrichtspsychologie. Er gab ihr gute Tipps f&#252;r ihren Sohn mit und freute sich, wenn diese Erfolge zeitigten. Er hatte den Sohn einige Male in der Stra&#223;enbahn &#8211; wenn er etwas zu sp&#228;t dran war, fuhr er mit ihr &#8211; kurz kennengelernt, fand allerdings keinen Kontakt zu ihm. Er suchte ihn auch nicht.<br \/>\nSie war es, die ihm sp&#228;ter, als er seine Radikalkur zur Gewichtsreduktion machte, den Tipp gab, wie sie manchmal die letzten drei Stationen zur Universit&#228;t zu Fu&#223; zu gehen. Das machte er auch bis zu den zwei Wochen und wird es auch dar&#252;ber hinaus tun.<br \/>\nSp&#228;ter fuhr sie mit dem Fahrrad, hier gab es keine Treffpunkte mehr und sie blieb nur manchmal stehen, wenn sie einander schon nahe der Uni begegneten. Sie stieg ab und schob dann das Rad neben ihm her. Da die beiden dabei einige Male von einer Sekret&#228;rin beobachtet worden waren, wurde das Ger&#252;cht ausgestreut, dass er in sie verliebt w&#228;re. Er l&#228;chelte und schwieg, als er davon h&#246;rte. Und es geschah, dass er es sich durchaus vorstellen k&#246;nnte. Sie plauderten &#252;ber Filme, die sie gesehen hatten. Als seine Frau in Wien arbeitete, hatte er einmal kurz &#252;berlegt, sie ins Kino einzuladen. Sie trug den selben Namen wie sie, was f&#252;r ein Verh&#228;ltnis wohl praktisch gewesen w&#228;re. Bei ihren Gespr&#228;chen ertappte er sich immer h&#228;ufiger, dass er nur von seiner Frau sprach und sie sagte, er k&#246;nne stolz darauf sein, was diese t&#228;te. Als seine Frau sp&#228;ter nach Wien ging \u2013 trafen sie sich auf Grund verschiedener Arbeitsrhythmen nur mehr selten und zuf&#228;llig \u2013 war diese Kollegin daf&#252;r verantwortlich, dass er die Trennung auch als positiv erleben konnte. Von dieser Kollegin kopierte er aus dem Internet ihr Foto, druckte es aus und steckte es in das Geheimfach seiner Brieftasche. Er hoffte, seine Frau w&#252;rde es vielleicht eines Tages zuf&#228;llig entdecken und eifers&#252;chtig werden \u2026 Wer nicht liebt, kann auch nicht eifers&#252;chtig werden. Auch nach den zwei Wochen wird dieses Bild \u2013 inzwischen zerrissen und zerfleddert \u2013 noch immer in seiner Brieftasche stecken. Die beiden Frauen trafen sogar einmal bei einem Fest im Murpark aufeinander \u2013 er stellte die beiden einander vor und die Frauen redeten miteinander. Er konnte sich in diesem Augenblick vorstellen, dass sie Freundinnen h&#228;tten sein k&#246;nnen. Allerdings mochte sie keine Frauen mit Kindern, denn die h&#228;tte nach ihrer Erfahrung nur ein Thema.<br \/>\nEr erz&#228;hlte seiner Frau nachher, wie er diese Kollegin kennengelernt hatte. Er sp&#252;rte keinen Funken Eifersucht bei ihr. Er war dar&#252;ber traurig, denn er glaubte daran, dass Liebe auch Eifersucht bedingen muss. Oder war er entt&#228;uscht, dass sie ihm keine so junge attraktive Beziehung zutraute? War sein Stolz verletzt. Nach den zwei Wochen fand er diese Episode nur mehr l&#228;cherlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesen zwei Wochen wird er sich fragen, warum er sie nie betrogen hat. Gab es keine Gelegenheit? Das, was sie ihm manchmal als Rigidit&#228;t vorgeworfen hatte, war in wohlwollender Weise als Treue zu interpretieren. 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